Die »Berchtesgadener Buam« spielten auf und überraschten mit einem breitgefächerten Repertoire, das zwar Walzer- und Polka-Tänzern hinreichend genügte, aber auch von den Oberkrainern bis hin zu Creedence Clearwater Revival pendeln konnte. Hofmarschallin Anna Gloßner führte durch den Abend, unterstützt von den »Führungskräften« der Faschingsgilde mit Präsidentin Karin Schröer an der Spitze. Im aufwendig mit schreiend bunten Girlanden und anderem Zierrat geschmücktem Saal kam rasch fröhliche Stimmung auf. Dazu halfen die vielen Tanzgruppen kräftig mit, die auch und vielleicht vor allem etwas fürs Auge boten. Meistens für das Männerauge, versteht sich, aber in mindestens einem Fall kamen auch die weiblichen Ballbesucher in den Genuss des Blickes auf schöne Männerbeine. Genaugenommen waren es sechs Beinpaare, die sich ansonsten unauffällig im benachbarten Kuchl bewegen, aber hier netzbestrumpft und kurzberockt graziös über das Kurhausparkett schwebten. Tänzerinnen, das muss gesagt werden, waren allerdings in der großen Überzahl. Und damit natürlich Frauenbeine. Gastgeber Berchtesgaden führte eine Tänzerinnengruppe der Tanzschule Johanna Renoth ins Feld und hatte einen guten Griff getan. Kess und etwas schräg, ein wenig frech auch und mit einer Prise Frivolität und doch auch sinnlich präsentierten sich die Tänzerinnen um und mit der Prinzipalin. Die Gästeformationen hielten mit, jede auf ihre ganz spezifische Art natürlich. Ob es die quirligen Teenies aus Hausham waren, die nicht nur zahlenmäßig stark waren, sondern auch ebensolchen Auftritt vorzeigen konnten, oder die So Halunke aus Waging, jede mauserte sich zum Höhepunkt. Das Kinderprinzenpaar drehte sich zu »Carmen« und die Familiengruppe Haberlander aus Traunstein präsentierte ein gutes Dutzend Spinnendamen, die sich aber als keinesfalls giftig erwiesen, und die die sich ganz französisch gebenden Gardetänzerinnen der Veitsgroama aus Traunstein ließen das Publikum auch schon ein wenig Moulin Rouge spüren. Was hier mit dem Can-Can endete, begann bei der Elfer-Trostberg mit dem selben. Mit Strapsen sogar, was mindestens die Aufmerksamkeit des Publikums erhöhte. Erstaunliche tänzerische wie choreografische Leistungen. Und nicht unwerwähnt bleiben darf die Tanzeinlage von Claudia Sprekelmeier und Christian Acker, ein Paar, das wohl auch außerhalb des Faschings viel Freizeit mit Samba und Rumba verbringt, um es dann zu vieler Vergnügen mit viel Feuer und Können zu demonstrieren und außer Puste geraten kann. Das Prinzenpaar mit Christian I. von der Gartenau und Stephanie II. vom Leckerland eröffnete personlich den Tanz in ausholendem Schwung und gab so den flotten Auftakt. Gastgildeneinmärsche gab es eine Menge. Dann folgten Orden und Küsschen auf der Bühne und dann, fürs Volk, die Balletteinlagen in einer Vielfalt Zwischendrinn, und hier sind wir wieder bei den »Berchtesgadener Buam«, gab es reichlich Gelegenheit für den gemeinen Ballbesucher, sich selbst Bewegung zu verschaffen und ein Tänzchen zu wagen. Was dem hämischen Beobachter nicht selten ebenso Vergnügen bereitete. Auch hier waren verschiedene Stilarten zu bewundern. Die Schleicher waren da und die Schieber natürlich, bei denen man ein wenig um die Partnerin fürchten musste, dass sie möglicherweise aus dem Blickfeld verbracht werden sollte. Die Raumgreifenden Dreher waren gut anzusehen und interessant natürlich auch die Minimalisten, die kaum einen Quadratmeter Raum in Anspruch nahmen und den Eindruck erweckten, als wollten sie ihre Tänzerin in das wertvolle Kurhausparkett bohren. Alles aber verlief unfallfrei. Jedenfalls entknitterte sich der Abend in großer Vielfalt, die gebietet, in einer anderen Ausgabe noch einmal auf das närrische Ereignis einzugehen.Dieter Meister |